Grundlagen für eine Berufsbetreuung oder rechtliche Betreuung

Zwei Prozent der Erwachsenen sind betroffen – bei rund 68 Millionen Erwachsenen Einwohnern in Deutschland sind es aktuell etwa 1,3 Millionen Betreuungen in Deutschland.

Die vom Bundesamt für Justiz veröffentlichte Statistik zählt jährlich 220.000 Erstbestellungen für eine rechtliche Betreuung. Diese teilen sich auf in Berufsbetreuer, Familienangehörige, sonstige Ehrenamtliche und Vereinsbetreuer. Zu den Erstbestellungen kommen zahlreiche Betreuerwechsel. Obwohl die Gesamtzahl auf hohem Niveau seit einigen Jahren etwa gleich bleibt, so zeigt sich eine Verschiebung, weg von der Familie und vom Ehrenamt, hin zu beruflich ausgeführter Betreuung.

Gingen 2007 etwa 75.000 Betreuungen an Berufsbetreuer, waren es 2012 schon 100.000

Durchschnittlich dauert eine rechtliche Betreuung 5,5 Jahre. Damit kann angenommen werden, dass in Deutschland zeitgleich etwa 450.000 Erwachsene unter rechtlicher Betreuung von selbstständigen Berufsbetreuern stehen. Insgesamt, also mit Einschluss der von der Familie und im Ehrenamt geführten Betreuungen sind es aktuell etwa 1,3 Millionen Betreuungen in Deutschland. Bei rund 68 Millionen Erwachsenen Einwohnern in Deutschland entspricht dies einer Quote von ca. zwei Prozent.

(Quelle: Statistik des Bundesjustizamtes zur rechtlichen Betreuung)

Nach dem Zwischenbericht 2007 des Instituts für Sozialforschung, Köln, waren folgende medizinische Diagnosen Grundlagen für die gerichtliche Bestellung beruflicher Betreuer:

  • 6,9 % Körperliche Behinderung
  • 19,9 % Demenz (stark steigend)
  • 16,7 % Sucht
  • 33,4 % sonstige psychische Krankheit
  • 15,9 % geistige Behinderung
  • 19,7 % Mischbild: Krankheit und Behinderung

Grundlagen für eine rechtliche Betreuung

Die angenommene Gesamtzahl von Betreuungsverfahren durch Berufsbetreuer 2016 dürften Ende 2016 rund 1.233.000 und bis 2017 / 2018 ca. 1.350.000 Betreuungen angeordnet gewesen sein.

Derzeit steigt die Gesamtzahl an, da durch den demografischen Faktor und das älter werden der Gesellschaft die gerichtlich bestellte Betreuung im Demenzbereich stark zunimmt.

Es gibt keine gesetzlichen Regelungen zur Qualität eines Berufsbetreuers:

Menschen, die aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung Probleme haben, wichtige Entscheidungen zu treffen und ihre Rechte geltend zu machen, können sich nach wie vor nicht darauf verlassen, dass sie eine bedarfsgerechte Unterstützung erhalten. Das Betreuungsrecht und die Betreuungspraxis weisen teilweise erhebliche Mängel auf. Denn: Die berufliche Betreuung ist nicht als Beruf anerkannt. Es gibt keine Zulassungsregelung, sodass jede/r als Berufsbetreuer/in eingesetzt werden kann – auch eine Person ohne jede Ausbildung, was aber regelmäßig zu Problemen führt. Im Ernstfall heißt das: Unqualifizierte Personen dürfen über Zwangsmaßnahmen entscheiden.

Für die Arbeit von rechtlichen Betreuer/innen gibt es keine verbindlichen, gesetzlich festgelegten Qualitätskriterien. Missverständnisse und Unwissenheit über die Pflichten und Aufgaben rechtlicher Betreuer/innen prägen den öffentlichen Diskurs. Selbst staatliche Stellen vermitteln ein einseitiges Bild von Betreuung als System ersetzenden Handelns. Personenbezogene und rehabilitative Aspekte des deutschen Betreuungsrechts werden oft missachtet.

Die Aufsicht der Gerichte über die Arbeit der Betreuer/innen ist unzureichend. Die Gerichte verfügen nicht über die humanwissenschaftlich fundierten Kenntnisse, um die Qualität einer Betreuung im Hinblick auf Beratung, Bedarfsanalyse, Planung und Koordination zu beurteilen. Auch die Betreuungsbehörden, die geeignete Betreuer/innen empfehlen sollen, sind keinen bundeseinheitlichen Standards und Verfahren verpflichtet.

Rechtliche Betreuung braucht aber Qualitätssicherung!

Die HELP Akademie arbeitet mit diesem „Zertifikatslehrgang zur Berufsbetreuung“  für eine hohe Qualität und die sichere Umsetzung der Betreuungsaufgaben und somit für die Bedürfnisse der Betreuten.

Die berufliche Betreuungsführung

Derzeit gibt es in Deutschland ca. 17.000 Berufsbetreuer. Diese sind überwiegend selbständig tätig. Im Jahr 2004 wurden ca. 1,16 Millionen Bürger betreut, bis zum Ende 2017 stieg die Zahl auf 1,35 Mio. an.

Davon sind nach Schätzungen der Berufsverbände rund 1/3 durch berufliche Betreuer, was aber ausgebaut werden soll, sofern genügend Personen gut ausgebildet werden können.  Die Betreuungsstellen, Behörden und Gerichte setzten mittlerweile verstärkt auf eine ausreichende Vorkenntnis und Ausbildung.

Viele berufliche Betreuer üben diese Tätigkeit nebenberuflich aus. Die berufliche Führung von Betreuungen als Nebentätigkeit wurde durch das Bundesverfassungsgericht gestattet.

Die Bestellung als Berufsbetreuer oder rechtlicher Betreuer

Die Bestellung als Berufsbetreuer erfolgt durch die örtlichen Amtsgerichte, den Betreuungsgerichten. Die Betreuungsbehörden, oder auch Betreuungsstellen bei den Städten, den Landratsämtern und kreisfreien Städten wirken in Verfahren mit, in denen das Amtsgericht / Betreuungsgericht  über die Bestellung eines Betreuers als gesetzlichen Vertreter zu entscheiden hat.

Ein Betreuer ist zu bestellen, wenn ein Volljähriger in Folge einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung (hierzu kann die sog. Altersdemenz gehören) seine Angelegenheiten nicht mehr besorgen kann und andere Hilfen nicht zur Verfügung stehen.  Die Behörde muss prüfen, ob und inwieweit die Mitteilung unter Beachtung der berechtigten Interessen des Betroffenen nach ihren Erkenntnissen erforderlich ist, um eine erhebliche Gefahr für das Wohl des Betroffenen abzuwenden.

Berufsbetreuer wird man, indem man vom Betreuungsgericht als Betreuer bestellt wird und im Bestellungsbeschluss die Betreuung als beruflich geführt bezeichnet wird.Ein Betreuer sollte grundsätzlich mehr als 10 Betreuungen führen, wenn er als Berufsbetreuer tätig sein will (§ 1).

Dies ist in der Regel der Fall, wenn man im Hinblick auf die zu erwartende Schwierigkeit der Betreuung unter Berücksichtigung der beruflichen Kenntnisse und der fundierten Ausbildung des Betreuers diesen damit betrauen kann. Häufig haben diese Betroffenen mehrere Probleme und/oder keine geeigneten Angehörigen, die die Betreuung übernehmen können, oder es gibt Interessenskonflikte im Familienkreis. Zur auskömmlichen Betreuertätigkeit sind die Vergütungsansprüche gesetzlich festgesetzt worden, die Betreuerpflichten jedoch unverändert geblieben.

Zu den wünschenswerten Kenntnissen gehören besonders solche auf dem Gebiete des Rechtes (Betreuungsrecht,  Zivilrecht, Sozialrecht uvm.), medizinisch-betreuerische, pflegerische und psychologische Kenntnisse  z. B. auch im Bereich Demenz-Betreuung, darüber hinaus Kenntnisse der  Buchführung, der Betriebswirtschaft und dem Umgang mit den digitalen Medien,  sowie Erfahrung im Umgang mit Behörden und die Fähigkeit, juristisch und medizinisch geprägten Schriftverkehr zu verstehen. Die Berufsverbände und Behörden haben sich auf ein gemeinsam ausgestaltetes Berufsbild geeinigt. Die Ausbildungsstätten sind gehalten, dies umzusetzen.

Im Zertifikatslehrgang „Berufsbetreuer“ der HELP Akademie wird durch hoch erfahrene Dozenten eine praxisorientierte, grundlegende und systematische Ausbildung angeboten.

Im Zertifikatslehrgang „Berufsbetreuer“ der HELP Akademie wird durch hoch erfahrene Dozenten eine praxisorientierte, grundlegende und systematische Ausbildung angeboten.

Die fünf Lehrgangsmodule, welche aufeinander aufbauen, gewährleisten die Praxisreflexion und den Wissenstransfer. Dies wird zudem durch die zur Verfügung gestellten Lehrgangsunterlagen verstärkt.